Schnee von heute
weisst die dicken Geländereifen meines Bikes, während ich mich die Harburger Berge abwärts Richtung City quäle. Das tut gut - mit dem Strom schwimmen - und dann mitten in der Weihnachtsparade zu landen. Selbst die Parkplätze für Räder sind knapp geworden. Im Grunde bin ich dann doch ein Zwitterling: Halb Konsument - oh ihr herrlichen Kartoffelpuffer - und halb Geschäftsmann, der seinen Weihnachtsumsatz machen will und muss. Wie beim Psychiatrie-Tennis dreht der Hals in Turbo-Verkaufshaltung in Hochfrequenz von links nach rechts während Paketberge von glühwein-geröteten Weihnachtseinkäufern in flinken Schritten bewegt werden. Das zentrale Geschenk - die Zeitung - bleibt ungeachtet. Ein Fall für die Verkaufs-Routiniers, eigentlich hab ich immer denselben Spruch: "Mensch Leute, wenn ich alter Scheißer mit der Kunzt hier zwischen euch falle und sage ich brauch euren Zaster, dann könnt ihr mir das Mal ausnahmsweise glauben!" Was kratzt die Stilistik, wenn die Kasse klingelt. Die Studenten machen Gebühren-Verweigerungs-Demo verfolgt von provilaktisch angeforderten Wasserwerfern und Kamerawagen, doch es bleibt alles friedlich, weil der Geschäftsfrieden nicht gestört werden soll. Zum Schluss such ich mir ein warmes Essplätzchen und bestelle einen Kinderteller mit Pilzen (Champignons), Bohnen, Bratkartoffeln und Spiegelei, als Getränk gibt das einen Cappucino. Nun kommen wieder die Nachtwachen von Bonaventura. Die ganze City ist besoffen. Hübsche Rotbäckchen quatschen einen einfach an. Die Nacht bleibt glasklar und kalt wie ein Oldesloer Korn.
Freitag, 09. Dezember 2005
Kalte Finger suchen Zuflucht
Bin mal wieder mit den üblichen lecker und warm Vorstellungen zur Psychiatrie getippelt - als wenn die das geahnt hätten: "Alles Baustelle der neue Fußboden ist da!" Konnte zumindest mit schweigsamen Zeitgenossen aus der Psycho-Szene ne Stunde im Cafe abhängen. Scheiß bürgerliche Situation dann wieder - erst Kohle anschaffen, dann rein ins Warme. Überleg, mit welcher Masche die Knete gemacht werden könnte: Rosen verkaufen, Singen, Tagesjob (Weihnachtsmarkt), Weihnachtsmann Promotion, Zeitungsverkauf? Hab dann doch die Mopo verkauft - alles nur Kleingeld - doch Kleinvieh macht auch Mist. Die eigene Optik hat davon nen Knacks wegbekommen - acht Stunden mitten in der Fußgängerzone mit abietend präsentierenden Tangoschritten - das strömt wie auf dem berliner Alexanderplatz an einem vorbei und irgendwo klingt lautmalerisch eine Ramme. Einige Bekannte hatten einen guten Deal gemacht und klatschen mir einen Schein in die Hand und noch einen, dann klimpern noch einige Münzen. Also erstmal ins Kaufhaus hoch, mein Pilsragout-Restaurant. Soll an einem Preisrätsel teilnehmen: Setzen Sie in die Reihe der Ziffern 1,2,3,4,5,6,7,8,9 drei Rechenzeichen (+,-), so dass die Aufgabe die Summe 100 ergibt. Gelungen: 123-45-67+89=100 Als Preis gab es eine tolle Jacke - nun ja, man macht das halt mit Köpfchen.
Donnerstag, 08. Dezember 2005
Rund um die Uhr

Na, wie seh ich aus? Beschissen ist geprahlt - ich weiß. Soll ja auch nur täuschen - nein, ich bin nicht der Warenhausgreifer, der dann von hinten auf das Klauhändchen fasst - hab nen neuen Job: Bumfighting. Da liegt eine Decke mit allerlei Köstlichkeiten auf dem Straßenpflaster ausgebreitet. Darauf Weintrauben, Fünf-Euro-Schein, Münzen, neue Nobeljacke, etwas Schmuck, ein kleines Radio und ein Handy. Keiner in der Nähe, nur ein alter Penner hockt besoffen auf der Bank (ich). Wer jetzt einfach zufasst, kriegt es mit mir zu tun: "Heh, die Sachen wollte ich grad einsammeln." Rumzerren ist sehr erwünscht, schön wäre auch eine kleine Verfolgung. Letzten Endes wird alles mit versteckter Kamera gefilmt und ich darf die Weintrauben später behalten. Jetzt jagt eine Weihnachtsfeier die andere und es waren einige Rätsel zu raten. Die neue SciFi-Geschichte "Beschleunigte Massnahmen" ist endlich fertig - dann beginnt erst die Kleinarbeit. Das Rad ist jetzt zu einer echten Rennmaschine getunt worden - aber Fahrradkurier werden?
Sonntag, 04. Dezember 2005
Wo kommen die alle her?

Im Moment arbeite ich als Weihnachtsmann. Touristen - nur Touristen, egal ob in Hamburg oder anderen Städten. Mir soll es Recht sein, solange die Kinder Gedicht oder Lied können. Das Wetter ist statt von dieser arktischen Polarluft langsam durch den wärmeren Golfstrom beeinflusst worden, sodass dieses elendige Schlottern auf meinem breitreifigen Gebirgsbike endlich aufhört. Nun bin ich als Empfänger von Arbeitslosengeld wieder anerkannt - endlich. Wer soll denn sonst die Kartoffelpuffer auf dem Weihnachtsmarkt futtern - absolut lecker, wenn reichlich Apfelmus darauf ist. Komme momentan sowenig zum Literarischen, weil die Sorge um das politische Gemeinwesen soviel Tipperei verlangt. In Hamburg wird überall gebaut - bin noch am fotografieren - meistens Glasarchitektur. Setze mich nunmehr auch dafür ein, dass die Elbe durch Röhren fließt, können ja Glasbullaugen seitlich eingelassen werden, sodass die Aale auf ihrem Marsch von der Unter- zur Oberelbe besichtigt werden können.
Donnerstag, 01. Dezember 2005
Ob eiskalt der Wind, ob sternenklar die Nacht
wir sitzen im Warmen und ham die Heizung aufgedreht. Die staatlich geforderte Jobsuche hat erstmal ein Ende gefunden. Staunend blickten die Arbeitssuchenden auf den hohen Packen der Angebote: "Herr Kemme, Parkplatz- oder Friedhofswächter, zwei Berufe, die wie maßgeschneidert für sie sind!" Start in ein neues Leben, tagsüber leichte Aufsichtstätigkeiten und abends dann in der Nobelwohnung Internet und wissenschaftliche Forschung, ohne chronischer Finanz-Knappheit. "Klar, die Maloche auf dem Parkplatz würde mir schon zusagen. Und die Pinke?" - Das waren Jobs für einen Euro in der Stunde - "Tschüss" Endlich kann ich eine kleine Phototour starten und an den drängenden sonstigen Vorhaben weiter schaffen: Erstmal das Buchprojekt, zu dem noch eine Story gehört, die noch im Werden ist - und dann wollte ich die physikalische Thematik Ebbe und Flut auch noch weiter bearbeiten. Die sozialen Beziehungen spielen sich eher auf dem Weihnachtsmarkt ab - aber ich bin noch am knipsen.
Donnerstag, 17. November 2005
Brr - zwischen Bettlermarsch und Nobelpreis
Der Spielbudenplatz ist da, wo auch Mamma Mia tanzt oder das Schmidt's-Theater Stimmung verbreitet. Da hatte sich ein St.Pauli-Völkchen versammelt, deren Betteldosen auch Programm waren: Der Bettlermarsch gegen Armut und für unser Club-Geld. Ich trug ein Schild mit dem BB-Spruch Meine Herren, urteilen Sie selbst, ist das ein Leben? Bin ja eher Komiker - aber heute war linke Agitation Haupthema auf der Tagesordnung. Etwas Konzentration, dann hatte ich die notwendige sozialistische Härte im Blick:

Es ging dann den Hamburger Berg hinauf mit Hafenblick auf die frisch eingedockte Queen Mary immer mit Musik und Sprechchören. Alles friedlich verlaufen, sogar einige kleine Zeitungsnotizen.
Wer aufmerksam das Wissenschaftsgeschehen verfolgt, wird zeitweise was über die Verleihung von Nobelpreisen hören. Allerdings liest man dann manchmal, dass es eine Teilung oder gar Drittelung dieses Preises für ausgezeichnete Leistungen in Kunst oder Wissenschaft gegeben hat. Hier hat es Aufmunterung für mich gegeben: Plötzlich knallt ein Freund mir seine Pranke auf die Schulter und meint, dass es bei mir sicherlich einen doppelten Nobelpreis in Physik und Literatur geben wird. Heh, der kennt mich! Also bin dran: In den Naturwissenschaften dreht sich alles noch um die Gezeiten und die Übertragungskanäle für hochfrequente Schwingungen und die neue Story ist eigentlich immer noch die alte Serie über die Ermittlungen der Milchstraßen-Polizei - allerdings mit einem neuen Fall, der sich um einen Täter dreht, welcher die Gravitation für einen Planeten versaut hat. Oh Gott, was ist mir schlecht, wenn ich an meinen ganz schnöden Gelderwerb denke: Tagesjobs zwischen Tannbaum-Verkauf und Holzhaus-Montage - da mach ich lieber den Marktschreier mit Zeit-Zeit-Zeitung!
MfG Gerhard Kemme
Donnerstag, 03. November 2005
Auf Reisen

Den Krankenhaus-Termin hab ich nun abgehakt - jetzt musste ich erstmal wieder dem Asphalt-Dschungel der Elb-Metropole entkommen. So auf Reisen geht das immer gern mal zu meiner Namensstadt. Kornfelder so weit das Auge reicht und dann endlich sehe ich die Stadt "Kemme" und lösche meinen Superdurst mit einer Cola. Da ich im Internet noch viel Grundsätzliches erledigen musste, bin ich mit dem Ausspinnen einer neuen Geschichte noch wenig voran gekommen.
Mittwoch, 02. November 2005
Tag der offenen
Son Riesenkrankenhaus in HH veranstaltete einen Tag der offenen Tür und ein Arzt hatte mich eingeladen, dass ich zwei Schülergruppen was aus dem eigenen Patientendasein erzähle. Die zentrale Motivation war, dass man in dieser Nobelklinik ein Superessen kriegt: "Bitte zwei Eier, eins bitte weich mit Eierbecher und das andere ruhig mittelhart für die Toastschnitte." Wer mich kennt, kann sich vorstellen, dass wieder einige Bücher verkauft werden konnten. Die Jugendlichen hätten gern die Station einmal besichtigt, aber das war eine Closed-Station.
Absolut viel los, alles Selbsthilfe-Gruppen. Bin doch froh, momentan nur den sporadischen Klinikführer machen zu müssen und nicht ernsthaft lädiert zu sein. Sonst zu nichts gekommen, als ob ich auf einem anderen (Medizin)-Stern gelandet wäre. Könnte gut eine Kreativ-Pille gebrauchen leide momentan an einer Schreibblockade. Bin dauernd fotografiert worden, vielleicht komm ich ja in die "Bild": "Gerhard, geehrt mit dem Patientenpreis 2005!"
Freitag, 28. Oktober 2005
Goldener Oktober mit Schnee und Schlittenfahren
Wer als Tourist oder Tänzerin schnell durch die Hansestadt eilt, kann es kaum vermeiden an einem nachdenklichen älteren Szene-Typen vorbei zu hasten. Richtig geraten, das war ich, der sich auf dem Wege zum Mozzarella Supermarkt befand und dabei über das fünfte Kapitel der neuen utopischen Geschichtensammlung nachdachte. Schön dieses sonnige warme Wetter - die Schietwetter-Sorgen sind vergessen. Plötzlich erblicke ich Jugendliche mit einem Schlitten, die Schneebälle in der Hand haben. Heh, das ist wie bei der Flutkatastrophe: My baby, baby ballaballa, d.h. ich diagnostiere einen akuten Gehirnschaden. Keine Angst, hat sich alles aufgeklärt - in Hamburg ist ein Gebirgsvolk zu Gast: DIE ÖSTERREICHER. Die hatten vermutlich Schnee aus den Alpen tiefgekühlt herangekarrt. Morgens war Tagelöhner cand. Kemme bei der ARGE, das ist so eine Mischung aus Sozial- und Arbeitsamt. Tja, gutes Gewissen, ist ein prima Ruhekissen, hatte alle angewiesenen Bewerbungsaktivitäten erfüllt und wollte nunmehr vielleicht noch einen kleinen Computerlehrgang mit gemischtem Internat "Ja, Gertrude wohnt im Appartement neben mir" buchen. Doch Fehlanzeige, die ARGE-Sachbearbeiter waren alle mit gelbem Schein im Krankenhaus. Die meisten Amtsbesucher kennen keine Frustrationstoleranz bzw. Triebaufschub, wenn ihnen ein Schwerstarbeiter-Job aufgebürdet wird. Und ich? War am überlegen, was ich verkaufen könnte. Gut, Versuch macht klug, wollte hamburger Zeitungen an die Österreicher verkaufen. Hat nicht geklappt, sollte immer an einer Tombola teilnehmen, mit 4Tagen Hotel in der Steiermark. Die Leute vom Stuttgarter Weindorf kaufen lieber Zeitungen. Vielleicht nehme ich die Kamera mit plus dem schönsten Lächeln: "Darf ich von der Gnädigen und Ihrem Gatten ein herrliches Erinnerungsfoto knipsen?" "Preis? Nur 10,-Euro!" Wenn da nix läuft, dann kommt die Musik - a capella - alles von Johnny Cash rauf und runter: "Mama, ironed my shirt and daddy let me take the truck ..." Da ich selber in der Zeitschrift abgebildet bin, gibt es doch ein "Das sind ja Sie!!" "Klaro, bin doch käuflich, macht 5,- Euro, der Preis auf dem Blatt stimmt nicht mehr." Jetzt werd ich mental zum Jubel-Hasen: "Wenn ich Scheißer hier steh' und sag' das ich Knete brauch', dann ist das eher untertrieben. Diese Zeitung zum ersten, zweiten, ... und verkauft." Man muss erstmal in Stimmung kommen.
Donnerstag, 27. Oktober 2005
wenn einer eine Reise tut
Oh Gott, sagen die in Hessen und wollen beten und segnen. Andere (Bundes)-Länder andere Sitten. Entlang bewaldeter Höhenwege stolperte ich mit rutschigen Turnschuhen. Dann wieder an Raststätten und Autobahnauffahrten nach dem Motto: "Armes Schwein sucht Viehtransport nach Hamburg" Endlich hielt einer - von der Kripo - und meinte, dass ich bei der Staatsanwaltschaft mal wieder shake-hands machen sollte. Zwecks Aufbesserung des Kontos weiter Vorstellungsgespräche geführt und mir Absagen eingehandelt. Dann doch eine Chance - wie zu alten Zeiten - ich kann vielleicht als Tagelöhner Arbeit finden. Wichtiger ist mir jedoch die Arbeit an dem eigenen Physik-Weltbild so zwischen Quanten- und Äthertheorie.
Sonntag, 23. Oktober 2005
Buchmesse

Lesestunde auf der Buchmesse. Fern der hamburger Heimat doch den (Print)Medien verbunden befinde ich mich wiedermal auf Reisen. Tausend neue Projekte und Anregungen.
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Auf dem Weg wohin?
Der Angestellte oder Passant in der Hansestadt Hamburg wird diese Metropole gegen Mittag als durchaus kultiviert und interessant empfinden - so geht es mir jedenfalls - dann, wenn die Dämmerung ihr schummriges Licht verbreitet, geht das zur Sache. Wem Faustkämpfe gefallen, braucht sich nur am Gerhart-Hauptmann-Platz zu postieren und schon geht das los. Zur Fußball-WM gibt es dann für Einwohner und Touristen Ritterrüstungen - wäre notwendig. Durfte heute im Krankenhaus essen, gab unter anderem Preiselbeeren mit Schlagsahne *super lecker*. Erstmalig wieder bei einer Vereinstagung dabei - wird viel Arbeit geben. Reisepläne sind vorhanden. Da ich in der Zeitung war, fragen alle, ob ich bereits einen Verleger für mein Buch gefunden hätte. Klare Antwort: Bin auf der Suche, aber guter Hoffnung. Soll unbedingt zur Tagesjobvermittlung - Katze um den heißen Brei ist nix dagegen, wie ich da herum gehe. Niemand fragt, wie es den Leuten hier geht
: Echt Scheiße!! Wir haben die Wiedervereinigung, die extremsten politischen Systeme nun friedlich vereinigt? Wer das glaubt ... . Aber Schreiberlinge dienen nur als unbestechliche Chronisten des örtlichen Zeitgeschehens. Also ich mach' erstmal winke-winke und drifte mal woanders hin.
Sonntag, 16. Oktober 2005
Sonntag in der City
Der Sonntag beginnt mit dem obligatorischen "Sonntagsfrühstück"
. Ei, Käsebrot, Nutellaschnitte, Kakao und Kaffee. Nette Leute dort, man kann über Gott und die Welt quatschen. Dann die entsetzliche Erkenntnisse, ich hab' nix dabei, was ich verkaufen könnte: Keine Blumen, keine Zeitungen, die Gesangsstimme muss wegen Heiserkeit (wegen der ganzen Hilferuferei) schweigen - oh Gott, ich soll unter die Schnorrer gehen. Wegen dem Welttag der Armut am Montag sind einige Stellwände aufgebaut. Gucke shy und wünschend. Ein Türke hat Erbarmen und legt mir eine Pizza hin - dem Hungerstod entronnen. Das Geld fließt dann spärlich. Am Nachmittag gibt es Kaffeetrinken mit selbstgebackenem Apfelkuchen. Heute - noch - nix in die Fresse bekommen. Die blauen Flecken können langsam abklingen. Aber die Nacht ist lang. Das Exposee ist nunmehr fertig.
Samstag, 15. Oktober 2005
Schläge auf den Hinterkopf
Schläge auf den Hinterkopf bekommt der nächtliche Bummler am "Gänsemarkt" ganz umsonst - und heureka endlich klappt dass mit dem Schreibfortschritt, d.h. es gibt eine Idee für das Exposee der neuen Anthologie: "Eine abgedrehte Schiebung am Rande der Galaxie" Wie durch ein Schlüsselloch können Leser fremdartige Lebenswelten entdecken. Durch die geliehene Brille des Autors materialisieren sich Thematiken, die den kühnsten Träumen nicht eingefallen wären. In der Geschichten-Sammlung "Eine abgedrehte Schiebung am Rande der Galaxie" geht es um Prosa-Texte, die vorwiegend der literarischen Kategorie Science-Fiction entstammen. Zukunftswelten werden so skizziert, die sich aus der Extrapolation heutiger Technik und Wissenschaft ableiten lassen. Man kann den Helden bei ihren unwahrscheinlichen und abstrusen Abenteuern folgen und wird dabei über deren mitreißenden Humor schmunzeln können. Diese Kurzgeschichten-Sammlung wird um einige skurille Alltags- und Kriminalgeschichten erweitert. "Bitte schnallen Sie sich an, diese Lese-Reise startet in wenigen Minuten!" Wie durch ein Kaleidoskop blättert sich eine Geschichten-Landschaft auf: Forcierte und rückwärtslaufende Stunden begleiten die Lesezeit. Wer Bücher bereits im Weggehen studiert wird staunend feststellen, dass ein Engel mit seiner goldenen Trompete vor dem überall herumliegenden Rutsch-Unrat warnt. Unwillkürlich wird er aufwärts blicken, wenn er liest, dass sich die "Ballerinen des Universums" meterhoch über den Boden ihrer Großraumstation treffen. Vielleicht wird er dann probehalber einen Passanten nach "Shaddy" fragen. Im Buch wird die Frage von einer Figur mit weißgekalkter Straßenmaske beantwortet.
Dienstag, 11. Oktober 2005
die neue Woche vier Tage nach dem 7.
Die Titelei zwingt mich an die Arbeit. Autorenvita + Klappentext + Cover, hinzu kommt dann das Exposee. Eine Buchmesse jagt die andere, man möchte, man muss aufspringen - doch der Kritiker und Rezensent von Gegenwartsliteratur hat es leichter als der Beschreiber der eigenen Hirngespinste. Immer im Multispagat zwischen mühsamster Beschaffung von Investitionsknete, Schreiben, dass die Fingerkappen qualmen, Leben in einem der Schrecklichsten
aber wie gesagt, ein SciFi-Autor notiert eine Existenz auf dem blauen Planeten Terra und liest dabei das Datum 11. Oktober 2005 auf einem eurasischen Kalender ab. Die letzte Story "Ermittlungen im Wellenreich" kam tatsächlich wieder als Knüller rüber. Das grenzt alles an Selbstausbeutung: tagsüber Propaganda-Maloche und nachts am Keyboard. ... doch irgendwann gebiert die Druckerei wieder ein neues SciFi-Büchlein, wie einen kleinen röchelnden Alien. In Hamburg ist Nervenkitzel angesagt, überall Messerstechereien. Früher war es dort alles viiiiieeel friedlicher, da gab es nur Halbstarke und Gesichtskontrolle - mein Vater hatte mir immer den Gasrevolver weggeklaut, weil er den selber abfeuern wollte. Also - dies sind Nachrichten aus dem hamburger Asphaltdschungel.
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